Breitensportkonzept

A. Leitidee und Definition

In den letzten Jahren hat sich die Auffassung vom Sport gewandelt. Stand ursprünglich der Wettkampf und die Steigerung der Leistung im Vordergrund, so heißt heute die Leitidee des Deutschen Sportbundes "Sport für alle im Verein." Gesundheit, Lebensstil, Spaß, Geselligkeit sind die Hauptmotive für die sportliche Betätigung geworden. Das ist Breitensport, der damit sport- und gesellschaftspolitisch
gleichrangig neben den Leistungssport gerückt ist.

Für den Bereich des DTV ist Breitensport der Bereich des Sportes, der im Gegensatz zum Spitzensport nicht nach sportlichen Höchstleistungen, Rekorden, Wettkämpfen und Leistungsvergleichen auf nationaler und internationaler Ebene strebt.

Es muß das Ziel des DTV sein, Voraussetzungen für die Verwirklichung von Breitensport im Sinne dieser Leitidee zu schaffen.

Der Sportverein ist der traditionelle Träger des Breitensports. Er verfügt über qualifizierte Mitarbeiter/ innen, über fachliche Kenntnisse und die sachliche Ausstattung. Er ist unersetzbar für eine weitere kontinuierliche Sportentwicklung. Breitensport im Verein zu fördern bedeutet, die Vielfalt und Qualität der Angebote weiterzuentwickeln. Nur so können die Vereine ihre herausragende Bedeutung für das Sporttreiben der Bevölkerung und damit ihren gesellschafts-politischen Auftrag dauerhaft gegenüber anderen Anbietern sichern.

Breitensportentwicklung bedeutet nicht nur die Gewinnung neuer Mitglieder, sondern auch die Pflege und Erhaltung des Mitgliederbestandes. Breitensportentwicklung ist also gleichzeitig Vereinsentwicklung.

Breitensport unter fachlicher Leitung

  • hat eine wichtige gesundheitsvorsorgende Funktion.
  • ist auch für Menschen da, die weder Talent noch Ambitionen für höhere Leistungen im Sport mitbringen, die weder das Interesse noch die Voraussetzungen besitzen, an unserem Leistungssportsystem teilzunehmen
  • bietet ein "weiches Wettkampfsystem", dessen Grenzen zum Leistungssport fließend sind
  • ist offen für alle die, die aus der Leistungsspirale des Turniersports herausgefallen sind
  • behält als fröhliche Sache in der Gemeinschaft seinen spielerischen Sinn und macht Spaß
  • schließt alle Altersgruppen ein

Die Grenzen zwischen Breitensport und Leistungssport sind fließend:

probieren

teilnehmen

Anschluß suchen

lernen kann hinführen zu Turniertanz

trainieren Teilnahme an Meisterschaften

Teilnahme an
Leistungsabnahmen
und Wettbewerben

B. Forderungen an den Fachverband DTV und seine Gremien:

1. Personelle Voraussetzungen-

Stärkung der Kompetenz der für den Bereich Breitensport ausgebildeten Lehrkräfte durch gezielte Fortbildung unter Berücksichtigung modernster Lehrmethoden in den Bereichen

  • altersbezogene Profilbildung
  • alternative Tanzformen und Tanzspiele
  • Tanzen als gesundheitsfördernden Sport
  • Tanzen als Präventivmaßnahme
  • Schaffung einer zweiten Lizenzstufe für Fachübungsleiter
  • Qualifizierung der Funktionäre aller Gremien durch gezielte Fortbildung für die Führung des Verbandes und seiner Gliederungen über das Jahr 2000 hinaus
  • Prägung und Stärkung von Bewußtsein und Akzeptanz für den Breitensport unter den Funktionären durch gleichrangige Vertretung von Leistungssport und Breitensport auf allen Ebenen.

2. Strukturelle Voraussetzungen

  • Weiterentwicklung unseres tänzerisches Angebot über die turniermäßig betriebene Form hinaus durch weitere Tanzformen und Angebote aus verwandten Sportarten
  • Öffnung des Deutschen Tanzsportverbandes für weitere Verbände und Organisation, wie beispielsweise Seniorentanz, Rollstuhltanz, Squaredance, Steptanz oder Folklore.
  • Stärkere Gewichtung des Breitensports im Verbandsorgan und allen offiziellen Publikation des DTV,

C. Forderungen an die Tanzsportvereine und Tanzsportabteilungen:

1. Personelle Voraussetzungen:

  • Vorrangige Einstellung von Lehrkräften für Breitensportgruppen, insbesondere für Kinder und Jugendliche, die für diese Zielgruppen ausgebildet wurden
  • Förderung eines modernen Vereinsmanagements mit optimaler Kooperationsbereitschaft für den Bereich Breitensport
  • Stärkung und Weiterentwicklung von Bewußtsein und Akzeptanz für den Breitensport bei den Funktionären im Verein

2. Strukturelle Voraussetzungen

  • Aufnahme neuer, moderner Angebotsformen (Sportangebote auf Zeit auch für Nichtmitglieder, kursähnliche Angebote, sehr breite Angebotspalette)
  • Erweiterung und Modernisierung der Angebotsinhalte
  • Attraktivitätssteigerung der Angebote
  • Sicherung des Nachwuchses durch gezielte Jugendarbeit auch für diejenigen, die weniger leistungsorientiert sind
  • Abbau von Zugangsbarrieren durch verstärktes Engagement im Schulsport
  • Enge und langfristige Bindung der Vereinsmitglieder durch zielgruppengerechte Angebote und Orientierung der Vereinsstruktur an den Interessen der Mitglieder
  • Stärkung des gesellschaftspolitischen Auftrages (Kinder von der Straße holen, Randgruppen und Minderheiten integrieren, Gesundheit fördern, gegen die Einsamkeit im Alter)

 

Leverkusen, den 30. Oktober 1996

Gisela Fritsche
Alfons Goebel
Dieter Taudien

Letzte Änderung: 11.01.03 17:25 se.